Buß- und Bettag

Nur wenige Bundesbürger profitieren von diesem kirchlichen aber nicht mehr staatlichen Feiertag, denn in 15 Bundesländern heißt es seit einigen Jahren ‚arbeiten' und den Pflichten des Alltags nachkommen. Obwohl der November mit Allerheiligen und dem Buß- und Bettag gleich zwei Feiertage beherbergt, kommen demnach nicht alle Bürger in den Genuss eines arbeitsfreien Feiertags.

Feiertag Buß- und Bettag
Herbstliches Wetter an Buß- und Bettag

Sachsen kann feiern

Nachdem dieser ehemals bundeseinheitliche Feiertag 1995 abgeschafft wurde, kommen ausschließlich die Sachsen in den Genuss eines (weiteren) freien Tags im November. Sie sind somit die Einzigen in ganz Deutschland, die vom Buß- und Bettag wirklich profitieren, wenn auch mit einer kleinen Nebenwirkung: Arbeitnehmer in Sachsen zahlen einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung, um die durch den arbeitsfreien Feiertag anfallenden Mehrbelastungen für Arbeitgeber zu kompensieren. Ein Feiertag also, der den Sachsen Geld kostet und jährlich zwischen dem 16. und 22. November stattfindet. Generell läuft der Buß- und Bettag im Großteil der Republik eher im Hintergrund ab. Lediglich Zeremonien und Messen weisen auf das Fest der Buße und Selbstreflexion hin.

Ausflüge und Kurztrips

Wer Mitte November einen Kurztrip nach z. B. Dresden oder Leipzig plant, sollte durchaus einen Blick auf den Kalender werfen und den Buß- und Bettag mit einplanen. Selbstverständlich haben alle Geschäfte im Regelfall geschlossen, weshalb eine spontane Reise ins kulturreiche Sachsen schnell zum Reinfall werden kann, sofern Shopping auf dem Programm steht. Die Sachsen hingegen haben am Buß- und Bettag die Qual der Wahl. Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und auch Bayern laden ein, den Feiertag in einem der Nachbarbundesländer zu verbringen und das eine oder andere besondere Erlebnis zu genießen, während die Arbeitnehmer der anderen 15 Bundesländer der Arbeit nachgehen.

Zeit zum Innehalten und Nachdenken

Nachdem dieser ehemals gesetzliche Feiertag mittlerweile für viele keine besondere Bedeutung hat, ist der Buß- und Bettag sehr wohl ein wichtiges Ereignis für die evangelische Kirche. An diesem Tag soll der Mensch in sich gehen, um sein eigenes Handeln und Leben zu überdenken, wodurch insbesondere zur Selbsterinnerung und zum Nachdenken über gesellschaftliche Missstände aufgerufen werden soll. Demnach geht es beim Buß- und Bettag nicht um das Büßen vergangener Missetaten, sondern vielmehr um einen Sinneswandel und eine Haltungsänderung im Kontext der eigenen Existenz. Insbesondere Protestanten feiern den Buß- und Bettag als Feiertag. So finden Messen tendenziell in den Abendstunden statt, mit kollektiven Beichten, die in protestantischen Kreisen typisch sind und vielmehr die Kollektivschuld aufgreifen, gepaart mit dem Gedanken an Hoffnung und Vergebung.

Der künstliche Feiertag

Der Buß- und Bettag hat genau genommen keinen kirchlichen Ursprung, sondern ist vielmehr ein staatliches Konstrukt. Zurückzuführen ist der Buß- und Bettag zwar auf die römische Religion, allerdings hat hier im besonderen Maße der Staat Hand angelegt, um eigene Interessen entsprechend zu realisieren: So gab es kurioserweise im Jahr 1878 in den deutschen Ländern 47 Bußtage an 24 Terminen. Hierbei handelte es sich um eine durchdachte inflationäre Strategie, die bereits im 16. und 17. Jahrhundert angewandt wurde.  

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